Die Winterruhe

Die Winterruhe europäischer Landschildkröten gehört seit Jahrtausenden zum natürlichen Jahreszyklus. Auch Jungtiere müssen bereits ab dem ersten Jahr in die Winterruhe, da es die Tiere wesentlich widerstandsfähiger macht. Kranke Tiere hingegen sollte man nicht in die Winterruhe schicken.

Landschildkröten gehören zu den wechselwarmen Tieren und können sich nur durch äßuere Einflüsse erwärmen und abkühlen. Der Stoffwechsel arbeitet bei einer Temperatur von ca. 35°C am besten. Bei kühleren Temperaturen tritt genau das Gegenteil ein. Die Tiere bewegen sich sehr träge und der Stoffwechsel arbeitet nur sehr langsam und unvollständig. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Tiere immer zwischen warmen und kühleren Temperaturen wählen können um sich so auf die Idealtemperatur zu bringen. Wenn die Temperaturen unter 15°C sinken und die Tage kürzer werden, stellen sich die Ganzjährig im Freiland gehaltenen Tiere langsam aber sicher um. Sie stellen nach einer gewissen Zeit die Nahrungsaufnahme ein und fangen an ihren Darm zu entleeren.

Wer die Tiere in einem Terrarium oder Wintergarten hält sollte etwa 14 Tage vor der Winterruhe die Nahrungszufuhr der Tiere langsam aber sicher einstellen und die Tiere regelmäßig baden um das entleeren des Darms zu unterstützen. Um die Tiere im Terrarium bzw. im Innengehege auf den Winterschlaf vorzubereiten empfiehlt es sich etwa 4 Wochen vorher die künstliche Sonne Schritt für Schritt zu reduzieren. Ideale wären Temperaturen von etwa 20°C am Tag und 8-10°C in der Nacht. Wenn die niedrige Temperatur von ca. 4°C - 8°C erreicht wird, fallen die Tiere in die Winterstarre und reduzieren ihren Stoffwechsel auf ein absolutes Minimum. Das Herz schlägt bei diesen Temperaturen (je nach Art und Temperatur) nur etwa 1 - 4 mal in der Minute.

Die Dauer der Winterstarre richtet sich nach der Art und der Herkunft der Tiere. I.d.R. halten die aus den wärmeren Regionen stammenden Tiere eine etwa 3 Monatige Winterruhe. Bei den Tieren aus kühleren Regionen, ist eine Winterruhe von 4 - 5 Monaten empfehlenswert. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, werden manche Tiere bereits am selben Tag, andere nach 2-3 Tagen wieder agil.


Als Überwinterungskiste ist zunächst einmal jeder ca. 60 x 60 x 60 cm große Holz- oder Kunststoffbehälter geeignet. Als Substrat für die Überwinterrungskiste eignet sich am besten ein Gemisch aus Erde (z.B. Floraton 3, schimmelt nicht) und Sand im Verhältnis 5:1. Nachdem die Kiste etwa 15 Zentimeter hoch mit dem Substrat gefüllt wurde setzt man die Schildkröte hinein und deckt das Tier mit etwa 25 Zentimeter leicht feuchtem Buchenlaub zu. Andere Laubsorten wie z.B. Eichen- oder Nusslaub enthalten zuviel Gerbsäure und können dem Tier schaden. Zu guter letzt wird die Kiste oben mit einem Drahtgewebe gegen Nagetiere geschützt.

Wohin nun mit der Kiste? Der ideale Ort zum überwintern der Tiere ist ein Gewölbekeller mit konstanten Temperaturen. Wenn Sie über keinen kalten Kellerraum verfügen müssen andere Überwinterrungsmethoden gefunden werden. Viele Schildkrötenhalter gehen dazu über ihre Tiere im Kühlschrank zu überwintern. Ich persönlich halte nichts von dieser Methode da die Tiere hier ständig den Erschütterungen beim Ein- und Ausschalten und dem Brummen der Aggregate ausgesetzt sind. Desweiteren trocknet das Substrat im Kühlschrank schneller aus und muß öfters nachgefeuchtet werden. Eine meiner Meinung nach gute Alternative stellen Lichtschächte, Garagen oder Gewächshäuser dar. Bei dieser Überwinterungsmethoden ist eine ständige Temperaturmessung erforderlich. Lichtschächte müssen gegen Regen mit einer Plane geschützt werden. Bei der Überwinterung in Lichtschächten und Garagen ist eine zusätzliche Abdeckung mit Styropor gegen zu starke Kälteeinwirkung zu empfehlen.

TIP! Nehmen Sie Ihre Schildkröte ab und an vorsichtig aus der Kiste (ohne das Tier zu wecken) um den eventuellen Gewichtsverlust des Tieres festzustellen. Hat das Tier an Gewicht verloren oder kommt Ihnen das Substrat zu trocken vor, muss die Feuchtigkeit des Substrats deutlich erhöht werden. Stellt sich beim wiegen heraus das Ihre Schildkröte mehr als 15% ihres uhrsprünglichen Gewichtes verloren hat, so sollte die Winterruhe vorzeitig beendet werden.

Wenn im Frühjahr die Temperaturen ansteigen, können die Tiere ihr Winterquartier verlassen. Erhöhen Sie dazu an den folgenden Tagen die Umgebungstemperatur. Ist das Tier wach und aktiv, hilft ein Bad in lauwarmen Wasser einen eventuellen Wasserverlust wieder auszugleichen. Achten Sie darauf, dass die Schildkröte beim Baden keinem Zug ausgesetzt sind und trocknen Sie das Tier nach dem Baden sorgfältig ab bevor Sie es ins Terrarium oder Frühbeet setzen.

Nach oben zum Seitenanfang

© 2006 Schildifarm.de | Design & Administration M. Baumann www.mb-interaktiv.de