Überfahrene Landschildkröte

Das Naturbiotop der Griechischen Landschildkröte am Fuße des Olymps

Wer bei seinem Griechenlandurlaub schon einmal etwas genauer hingesehen hat, wird feststellen, dass dort auf Arten- und Naturschutz nicht gerade viel Wert gelegt wird. Durch die Rücksichtslosigkeit der Menschen weicht die Natur - wie natürlich andernorts auch - und somit unter anderem auch der Lebensraum der griechischen Landschildkröten Jahr für Jahr zurück. Durch Straßen- und Hotelbau werden komplette Biotope und Brutplätze zerstört.

Als ich 1998 den kleinen, verschlafenen Ort Nei Pori bei Platamonas besuchte, staunte ich nicht schlecht als innerhalb eines Nachmittages unzählige Jungtiere, semiadulte und adulte Landschildkröten gesichtet wurden. Der Fund von ebenso vielen Legeplätzen mit Resten von Eierschalen lässt nicht nur auf ein riesiges Schildkrötenhabitat sondern auch auf einen riesigen Eiablageplatz schliessen. Die Lage war zum damaligen Zeitpunkt perfekt. Die Schildkröten haben ihre Eier direkt am Sandstrand oder in den leicht bewachsenen Dünen abgelegt. Man mußte nur den Spuren im Sand folgen um mehr heraus zu finden. In den heißen Sommerstunden lagen viele Schildkröten unter vertrockneten, sehr stacheligen Sträuchern und Büschen. Teilweise lagen bis zu 4 adulte Schildkröten friedlich unter einem Busch. Andere Exemplare wiederrum verbrachten ihre Zeit in dem angrenzenden, dichtbewachsenen Gebiet mit meterhohen Gräsern in Richtung Eisenbahn, Aftokinitodromos 1 (Autobahn 1) und den landwirtschaftlich genutzten Feldern.

Aber wie bereits erwähnt, es war damals ein guter Ort...
Als ich Platamonas 2006 erneut besuchte, traute ich meinen Augen nicht. Wo früher das Gras über einen Meter hoch war, stehen nun Hotel neben Hotel und die sandigen Hügel in unmittelbarer Nähe zum Strand sind unter dem Asphalt verschwunden. Die folgende Abbildung zeigt das Neubaugebiet von Platamonas im Jahre 2006. In dem kleinen Kreis seht ihr wie das Habitat südlich des Olymps im Jahre 1998 an exakt der gleichen Position ausgesehen hat!  Aus dem verschlafenen Örtchen mit gerade einmal 2000 Einwohnern wurde eine Tourihochburg mit ca. 120.000 Besuchern jährlich.

Naturbiotop Landschildkröten - Nei Pori 1998 und 2006

Nach und nach wachsen die Ortschaften Platamonas, Nei Pori und Kastri immer mehr zusammen. Und obwohl die Straßen inzwischen bis zum Strand ausgebaut und geteert sind, und man sprichwörtlich nur noch umfallen muß um an den Strand zu gelangen, gibt es leider immer noch genügend Menschen die durch das letzte verbliebene Stück Natur - in diesem Fall ist es der besagte Eiablageplatz der Landschildkröten zwischen Nei Pori und Kastri - mit dem Auto durchfahren müssen. Auf Google Maps könnt ihr euch übrigens selbst ein Bild davon machen...

Das traurige Resultat: selbst nach intensiver Suche habe ich an diesem Ort, wo man früher ohne großen Aufwand locker 100 Schildkröten zu Gesicht bekam, kein einziges Jungtier mehr gefunden. Dafür wiederholte sich alle paar Meter dasselbe Bild: zu tode gefahrene Schildkröten. Bleibt nur zu hoffen das es wenigstens ein paar Schildkröten geschafft haben!

An dieser Stelle möchte ich daher auf "O AETOS" Reptilienschutz in Griechenland aufmerksam machen. Bernd Pitzer hat es sich zur Aufgabe gemacht, verletzte Schildkröten in seiner Schutzstation aufzunehmen, sie zu pflegen und letztendlich wieder in der Natur auszusetzen. Ihr habt die Möglichkeit die Schutzstation mit einer Spende, einer Patenschaft, als freiwilliger Helfer oder durch Buchung einer Schildkrötenexkursion am Olymp zu unterstützen. Doch, schaut einfach selbst. Weitere Informationen dazu findet Ihr auf der Webseite der Schutzstation www.oaetos.de.