Gehege für Landschildkröten

Das Freilandgehege

Beobachtet man die natürlichen Biotope der Landschildkröten, erhält man hier wichtige Hinweise auf die Anforderungen zur Gestaltung des zukünftigen Lebensraums. Mit einer entsprechenden Ausstattung ist auch in unseren Breitengraden eine optimale Haltung der kleinen Panzer möglich. Generell gilt: Je größer die Anlage, desto besser!

Bei der Gehegeplanung ist darauf zu achten, dass Schildkröten licht- und wärmegesteuert sind und somit den sonnigsten Platz im Garten zur Verfügung gestellt bekommen sollten. Damit die Schildkröten nicht erst spät am Tag aktiv werden, sollte im Idealfall bereits die Morgensonne auf das Schildkrötenhaus (Gewächshaus oder Frühbeet) scheinen.

Die Umrandung auf der Gehegeinnenseite sollte je nach Größe und Art der Tiere mindestens 40 - 60 cm hoch, ein Stück in den Boden versenkt & blickdicht sein. Mit Natursteinen, Mauer-Systemen oder Betonpalisaden läßt sich das Gehege so sehr schön in den eigenen Garten integrieren. Die massiven Natursteine heizen sich tagsüber auf und dienen so auch gleich als Wärmespeicher. Idealerweise wird der Bereich unterhalb der Umrandung mit einem Streifenfundament gegen Untergraben und somit gegen einen Ausbruch der Schildkröten gesichert. Andere Baustoffe wie z.B. Holz sind als Umrandung weniger geeignet, da Holz mit der Zeit verrottet. Glas ist nicht zu Empfehlen, da die Schildkröten dieses Material nicht als Hindernis wahrnehmen und ständig weiter laufen möchten. Zäune sind ebenfalls nicht geeignet da Schildkröten wirklich gute Kletterer sind und sich am Zaun Stück für Stück hochziehen und auch verletzen können.

Gehegeumrandung Landschildkröten

Die Bepflanzung sollte sich an den Bedingungen in der Natur orientieren. Bei den europäischen Schildkrötenarten haben sich mediterrane Kräuter wie z.B. Salbei, Thymian, Rosmarin & Lavendel bewährt. Die Schildkröten nutzen diese Pflanzen sehr gerne als Schatten- oder Schlafplatz, und graben sich gerne unter ihnen ein. Der Boden des Geheges sollte sich an dem natürlichen Biotop der Landschildkröten orientieren, also vorwiegend ein eher karger, steiniger, sandiger und stellenweise auch lehmiger Boden.

Neben weiteren Futterpflanzen (z.B. Brombeere, Fetthenne, Heckenrosen, Hibiskus, Wegerich und Löwenzahn), Büschen, Sträuchern und Kräutern sollten noch einige Äste, Wurzeln, Baumstämme und Steine als Versteck- und Klettermöglichkeiten in das Gehege integriert werden. ACHTUNG! Eiben sind giftig und gehören daher weder ins Terrarium noch ins Gehege. Damit sich die Futterpflanzen erholen und nachwachsen können wäre es ideal, wenn ein Teil des Geheges abtrennbar ist und nur ab und an für die Tiere zum abgrasen geöffnet wird.

Da bei den Landschildkröten der Stoffwechsel unter natürlichen Bedingungen nachts deutlich reduziert ist, benötigen unsere Landschildkröten in Gefangenschaft ein starkes Tag-/Nacht-Temperaturgefälle für ihr Wohlbefinden, und für ein gesundes Wachstum. Daher stört es auch nicht, wenn die Landschildkröten im Sommer ihre Schlafplätze selbstständig im freien unter einem Busch, einer Baumrinde, einer Wurzel oder in der Schutzhütte aufsuchen. Auch wenn es mal mehrere Tage bewölkt ist und regnet, kann man europäische Landschildkröten ohne Bedenken im freien lassen.

Gehegegestaltung für Landschildkröten

Viele meiner Schildkröten laufen gerne im Regen umher oder nutzen einen warmen Sommerregen zur Paarung. Sind die Tage etwas trüber, wird auch weniger Nahrung aufgenommen, was wiederrum dem natürlichen Wachstum zugute kommt. Es sollte nur nicht dauerhaft nass & kalt sein. Erst wenn die Temperatur mehrere Nächte hintereinander deutlich unter 10 Grad absinkt, sollte man das Gehege abends absuchen und die im freien verbliebenen Schildkröten in die Schutzhütte umsetzen. Die Schutzhütte kann ein Frühbeet, Gewächshaus oder eine Eigenkonstruktion sein. Wichtig ist nur, dass sie Schutz vor extremer Kälte und Nässe bietet.

Gewächshäuser und Frühbeete welche auch zur Überwinterung genutzt werden, sollten auf einem isolierten Fundament mit ca. 1 Meter Tiefe aufgestellt werden. Hier sollten Frostwächter für die Überwinterung und Wärmelampen für die Übergangszeit angebracht werden. Plane daher ein entsprechendes Leerrohr für die Zuleitungen zur Schutzhütte mit ein, bevor mit der Gehegegestaltung begonnen wird.

Weitere Informationen zu den Frühbeeten und Gewächshäusern gibt es im nächsten Teil.

Bei Jungtieren empfiehlt es sich über dem Gehege oder der Nachzuchtbox ein Schutznetz o. ä. anzubringen, um Gefahren durch Vögel und anderen Fressfeinden wie z.B. Marder oder Hunde vorzubeugen. Je nach Lage und Größe des Geheges erfordert dies ein wenig Ideenreichtum, da die Wasserschalen täglich gewechselt, das Gehege täglich von Futterresten und Kot gereinigt werden muß und daher für den Pfleger erreichbar sein sollte.

Gehegeabdeckung auf Rollen